Gemeindeversammlung am 16. 09. 2026 im Gemeindehaus Vilsendorf
Rund 70 Gemeindeglieder tauschten sich auf der Gemeindeversammlung am 16. September 2026 im Gemeindehaus Vilsendorf mit dem Presbyterium und dem Interprofessionellen Pastoralteam (IPT) über die Lage der Versöhnungs-Kirchengemeinde aus. Presbyter Andreas Albers, per Akklamation zum Versammlungsleiter bestimmt, führte durch die Tagessordnung: Neben den großen Themen Finanzen, Gebäude und Personal ging es um den Stand der Regionalisierung, das Schutzkonzept der Gemeinde und die Jubiläumsaktion zum zehnjährigen Bestehen der Versöhnungs-Kirchengemeinde. Aus der Versammlung wurden die Stichpunkte "Transparenz" undd "Visionen" eingebracht.
Haushaltskonsolidierung entscheidend
Finanzkirchmeisterin Anke Butz ging zunächst auf die aktuelle Haushaltslage der Gemeinde ein.
Mit Blick auf den anhaltenden Rückgang der Gemeindegliederzahlen und des Kirchensteueraufkommens bezeichnete sie Kürzungen und Sparmaßnahmen in den kommenden Jahren als Daueraufgabe, um einen ausgeglichenen Haushalt mit ausgewogenen Einnahmen und Ausgaben zu erreichen.
Leider habe sich seit der letzten Gemeindeversammlung im Juli 2025 nichts daran geändert, dass der letzte offizielle Jahresabschluss des Kirchenkreises das Jahr 2019 betreffe. Angekündigt seien nun die Abschlüsse für 2020, 2021 und 2022 im Bündel. Auch die Jahresabschlüsse für 2023, 2024 und 2025 wolle der Kirchenkreis wieder zusammenfassen.
Einnahmen der Gemeinde
Gegenüber dem letzten Haushaltsplan der Gemeinde konnte die Finanzkirchmeisterin eine positive Entwicklung vorstellen: Statt des Defizits von 62.860 € im HHP 2025 erzielte man für 2026 einen planerischen Überschuss von 2.506 €, also insgesamt eine Verbesserung von ca. 65.000 €. Erreicht wurde das durch Sparmaßnahmen, Kürzungen und höhere Einnahmen. Bei einer Gemeindegliederzahl von 8.855 (Stand 31.12.2024) und einem Zuweisungsbetrag von 20,11 € pro Mitglied ergibt sich für unsere Gemeinde eine Zuweisung von 178.066 €, um 1.1448 € höher als 2025. Unter anderem hatte die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie einen positiven Einfluss auf die Kirchensteuern.
Ganz aktuell konnte Anke Butz auch noch Sonderzuweisungen des Kirchenkreises aus den Jahren 2023 und 2024 in Höhe von 98.000 € ankündigen.
Auch die Einsatzstunden des Kantors auf kreiskirchlicher Ebene werden durch Zuweisungen ausgeglichen. Neben den Zuweisungen des Kirchenkreises im Umfang von 39 % unserer Einnahmen machen Vermietung, Pachten, Erbbauzinsen und Nutzungsentschädigungen ca. weitere 29% aus. Hinzu kommen Spenden, Kollekten und Erträge aus kirchlichen Tätigkeiten mit ca. 26% Anteil. Zusammen ergibt das einen Ertrag von ca. 515.388 € laut HH-Plan 2026.
Ausgaben der Gemeinde
Die geplanten Aufwendungen betragen laut HH-Plan 2026 ca. 512.882 €. Die Personalkosten nehmen dabei im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr den größten Anteil in Anspruch, sondern liegen gleichauf mit der „Unterhaltung und Bewirtschaftung der Gebäude“, gefolgt von dem Ausgabenblock „Sachaufwand Gemeindearbeit“ mit 18% und den Finanzausgleichsleistungen mit ca. 12%. Bei den Hauptausgaben sind die Einsparungen bei den Personalkosten zwischen 2025 und 2026 deutlich zu erkennen.
Ein wesentlicher Bestandteil unseres Haushalts ist die Substanzerhaltungsrücklage: Die Gemeinden sind verpflichtet, jedes Jahr für Kirchen 0,5% und für andere Gebäude 1% des Feuerversicherungswertes für den Substanzerhalt zu verwenden und den Rest der sogenannten Substanzerhaltungsrücklage SERL zuzuführen. Im Jahr 2025 hat sich der SERL-Betrag für die Marienkirche durch eigene Einsparungen des KK verdoppelt. Durch den Abriss des Gemeindehauses Jöllenbeck konnte die Gemeinde aber auch 21.300 € an SERL eingesparen.
Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion stand die Frage nach Gründen für den Bearbeitungsstau in der Finanzverwaltung des Kirchenkreises. Da konnte in diesem Gremium nicht beantwortet werden, aber über die Belastung für die Gemeindeverantwortlichen war man sich einig. Presbyter Jürgen Ennen bedauerte, "dass wir als Presbyterium aus solcher Unsicherheit heraus perspektivische Entscheidungen treffen müssen.“
Gebäudesituation
Zu den perspektivischen Entscheidungen gehört der Umgang mit den eigenen Gebäuden, auf den Kirchbaumeisterin Bärbel Fißenebert einging. „Der Verzicht auf Gebäude ist keine Entscheidung gegen, sondern für den Erhalt des Geemeindelebens“, betonte sie zu Beginn.
Besonders bitter für viele Gemeindeglieder: der Gemeindehausabriss in Jöllenbeck zugunsten des Altenheim-Neubaus der Diakonie. Bärbel Fißenebert erläuterte die Gründe – notwendige Kostenersparnis verbunden mit der Sicherung zeitgemäßer kirchlicher Altenarbeit im Zentrum des Stadtteils –, ohne die Situation zu beschönigen. Ja, es gebe im Neubau des Pflegezentrums keine eigenen Räume für die Gemeindearbeit. Und ja, die Parkplatzsituation sei problematisch: 40–50 Parkplätze seien entfallen, nur 12 neue würden entstehen. 30 weitere stünden im Bereich Imsiekstraße zur Verfügung.
Stattdessen ist die Marienkirche in kleinen Schritten multifunktionaler gestaltet worden: Die einstige Gemeindehausküche wanderte in die Taufkammer und in der Sakristei entstand ein kleiner Veranstaltungsraum. Auf dieser Grundlage ist die Marienkirche seit Ende Oktober 2025 über die Gottesdienste hinaus durch das Kirchcafé und verschiedene Gemeinde-Veranstaltungen zum Ort vielfältiger Begegnungen geworden. Außerdem wurde die Gasheizung in der Kirche fast vollständig durch eine Wärmepumpe ersetzt: ein mit Fördermitteln unterstütztes „Leuchtturmprojekt“. Von einem regelrechten Umbau einer oder mehrerer Kirchen nach multifunktionalen Aspekten hatte sich das Presbyterium schon im Sommer 2025 aus Kostengründen verabschiedet.
Zum Gemeindehaus in Theesen, das durch den Brandschaden im März 2026 lange nur begrenzt nutzbar war, gab es Erfreuliches zu hören: Die Sanierungsarbeiten sind termingerecht fast abgeschlossen, die Versicherung übernimmt die gesamten Kosten.
Zur Kenntnis nahm die Versammlung, dass mit dem Satzungsbeschluss der Bezirksvertretung Jöllenbeck zum Bebauungsplan Nr. II/V 2.2 eine mögliche Wohnbebauung auf dem kirchlichen Gelände rund um das Gemeindehaus Vilsendorf theoretisch näher gerückt ist. Das Gemeindehaus ist kaufmännisch aufgegeben worden, wird aber gemeinsam mit der Nachbarschaftsinitiative VINZ weiter genutzt. VINZ hat Interesse, das Haus ganz zu übernehmen; zurzeit wird auf die Stellungnahme der Landeskirche gewartet.
Die Arbeitsgruppe „Kirchengebäude“, vorgestellt von Presbyterin Dr. Silke Plate, hat in diesem Jahr mit interessierten Gemeindegliedern schon vier Ideen-Workshops zum Thema „Nutzungsmöglichkeiten für unsere Kirchengebäude“ veranstaltet. Ganz konkret mündete das schon in die Durchführung einer Kunstausstellung in der Vilsendorfer Kirche. Überlegungen gibt es zur Gründung eines Kirchbauvereins oder Freundeskreises bzw. einer Stiftung. Um das Interesse der Gemeindebasis daran auszuloten, lud Silke Plate noch einmal zur Teilnahme an der entsprechenden Umfrage ein.
Aus der Versammlung kam die Anmerkung, dass es eine solche Umfrage schon vor dem Abriss des Gemeindehauses hätte geben müssen, um Raum für Visionen zu schaffen: Diskutiert wurde dann über das Parkplatzproblem. Weitere Fragen bezogen sich auf die Kosten und Einkünfte der Gemeinde durch den Neubau. Antwort: Das Pachtgrundstück gehört zum Pfarrvermögen der Gemeinde und dient damit größtenteils übergeordneten Aufgaben (z.B. Pfarrpensionen). Nur 25 Prozent der Pacht, rund 7000 € pro Jahr, kommen der Gemeinde direkt zugute. Davon profitiert sie erst ab 2028, da zunächst die Hälfte der Abrisskosten von der Gemeinde bezahlt werden müssen. Der Umzug bzw. Umbau des alten Paul-Gerhardt-Hauses belastet den Gemeindehaushalt nicht, weil sich die Gebäude selbst tragen. Geprüft wird, ob eine Umwandlung in betreute Kleinstwohnungen sinnvoll ist.
Personalentwicklung
Schien es 2025 auf der letzten Gemeindeversammlung noch so, als sei der Übergang vom rein theologischen Pfarrteam zum Interprofessionellen Pastoralteam (IPT) abgeschlossen, so musste Pfr. Marcus Brünger als Vorsitzender des Presbyteriums auf eine neue Vakanz eingehen: Pfarrerin Dr. Annabel Höpfner hat die Versöhnungs-Kirchengemeinde nach einem knappen Jahr verlassen und schließt ihren Probedienst in einer Gemeinde im Kirchenkreis Gütersloh ab.
Probedienst sei eben für beide Seiten eine Gelegenheit zum Prüfen, so Brünger, und eine rechtzeitige Entscheidung sei immer besser. Er betonte, dass dies nach Höpfners eigenen Worten keine Entscheidung gegen die Menschen in der Gemeinde gewesen sei. Die schwerfälligen Strukturen im Kirchenkreis hätten sie belastet, gerade hinsichtlich der Regionalisierung. „Ich will aber auch selbstkritisch ergänzen“, so Brünger: „auch unsere Kirchgemeinde ist strukturell ein großer Tanker…“
Die Pfarrstelle ist nun vakant und als Vollzeitstelle ausgeschrieben. Vorläufig betreut Pfr. Brünger den Pfarrbezirk Vilsendorf / Jöllenbeck Ost und die drei Kitas in diesem Bereich. Die Herbstfreizeit auf Borkum hat Gemeindepädagogin Anke Streilein-Rohdenburg mit ihrem Team übernommen.
Zukünftig muss geklärt werden, ob die Aufgabenverteilung im IPT weiterhin überwiegend nach Bezirken erfolgt oder nach Themenfeldern.
Im Personalbereich wurden im vergangenen Jahr fast 18 Prozent an Kosten durch Stellenreduktion reduziert, besonders im Küsterdienst. Den größten Teil haben an allen drei Standorten ehrenamtliche Teams übernommen.
Als Personalplanungsraum auf überregionaler Ebene ging Marcus Brünger auch auf die Region Nord-West ein, der unsere Gemeinde zusammen mit acht weiteren Gemeinden im Kirchenkreis Bielefeld angehört. (Mehr dazu hier>>) Diese haben inzwischen ein „Arche-Gremium“ mit einem externen Begleiter gebildet. Die meisten der derzeitigen Mitglieder stünden kurz vor der Pensionierung, maximal fünf der Pfarr- und ITP-Stellen in den neun Gemeinden seien mit jüngeren Personen besetzt, die in zehn Jahren noch im Amt wären. Das sei mit tiefgreifenden Veränderungen für die Arbeit vor Ort verbunden, meinte Brünger: „Wie das alles genau wird, steht für mich in den Sternen.“
Anschließend stellte Presbyterin Ulrike Kleimann das Schutzkonzept der Ev.-Luth. Versöhnungs-Kirchengemeinde zur Prävention sexualisierter Gewaltvor, das von Mitgliedern des Presbyteriums und der Gemeinde erarbeitet worden ist und seit Mai 2026 vorliegt. Es soll Handlungsleitlinie und Orientierungshilfe für alle in der Gemeinde zusammenwirkende Menschen sein.
Jubiläum und Zukunftswünsche
Nach all den ernsten Tagesordnungspunkten lud Anke Streilein-Rohdenburg zur geselligen Mitmach-Aktion anlässlich des zehnjährigen Bestehens unserer Versöhnungs-Kirchengemeinde ein. Am Samstag, 7. 11. und Sonntag, 15.11. soll das an möglichst vielen Kaffeetafeln bei privaten Gastgeberinnen und Gastgebern in der Gemeinde begangen werden. Nähere Informationen dazu hier.>>
In der abschließenden Aussprache ergänzten sich kritische Anmerkungen und Ermutigungen. „Der Abriss des Gemeindehauses in Jöllenbeck sitzt tief, das war keine gute Vision“, hieß es; aber heute habe man auch viele positive Eindrücke gewonnen.
Marcus Brünger und Presbyter Jürgen Ennen erinnerten an die Visionen im „Wagenrad“, dem 2022 aufgestellten Leitbild der Gemeinde. „Sind sie noch aktuell, vor allem angesichts der Regionalisierung?“, fragte Brünger nachdenklich.
Dass es in der Gemeinde sonntags nach einer Probephase zwar mindestens einen liturgischen Gottesdienst gibt, aber nur noch selten in allen drei Kirchen, kam noch einmal kontrovers zur Sprache.
Zum Wunsch nach mehr Transparenz räumte Jürgen Ennen ein: „Da haben wir noch Nachholbedarf.“ Gemeindeversammlungen sollten wieder häufiger stattfinden. Mehr Öffentlichkeitsbeteiligung an den Presbyteriumssitzungen sei juristisch und praktisch schwierig umzusetzen. Silke Plate wies darauf hin, dass es die im Gremium vorgeschlagenen „Meldungen aus dem Presbyterium“ schon feste Rubriken im Gemeindebrief und auf der Homepage sind.
Mit einem Video-Impuls zum Zusammenwachsen in unserer Gemeinde und einem gemeinsamen Kanon, spontan und temperamentvoll von Christel Weihrauch geleitet, klang die Gemeindeversammlung aus.
B. Maoro-Bergfeld