Andachten

Pilot

Samstag 01.08.2009

Containerschiff„Pilot“. Wir kennen dieses Wort aus dem Bereich der Luftfahrt. Im Blick auf die Schifffahrt bedeutet es im Englischen „Lotse“. Im Hafen von Cuxhaven sind kleine Boote zu sehen, die die Aufschrift tragen: „Pilot“. Orangfarben, kaum größer als eine Nussschale – so liegen sie im Hafenbecken in der Nähe der „Alten Liebe“. Sie haben eine wertvolle Fracht an Bord: Lotsen. Menschen, ohne die nichts geht. Sie kennen wie kein anderer das Flussbett der Elbe. Die Elbe, die auf der Höhe der „Kugelbake“ in die Nordsee mündet. Die Elbe ist an dem Punkt schier unendlich breit. Zugleich ist die Elbe der Fluß, auf dem viele Schiffe elbeabwärts nach Hamburg fahren. Große Pötte. Containerschiffe, die oft weite Wege hinter sich haben. „China Shipping Line“, „Hanyin“ – ihr Name verrät ihre Herkunft. Am Ende ihrer langen Reise müssen die großen Pötte durch die Elbe. Immerhin ein „Weltschifffahrtsweg“. So ein Containerschiff kann schon mal einen Tiefgang von 10 bis 12 Metern haben. Von der Länge her sind sie so groß wie ein oder mehrere Fußballfelder. Wie kommt so ein großer Pott sicher im Hamburger Hafen an? Ein Alptraum, wenn ein Containerschiff auf einer Sandbank landen würde. Die Elbe ist ständig in Bewegung. Das Flussbett verändert sich täglich. Die Strömungsverhältnisse müssen regelmässig neu erfasst werden. Es muss Menschen geben, die sich da gut auskennen. Genau das ist die Aufgaben der Lotsen.

Wenn Containerschiffe die Kugelbake erreichen, dann schlägt ihre Stunde. Auf Anforderung des Kapitäns fahren sie los. Fahren mit ihrem winzigen Lotsenboot an die Bordwand eines großen Potts. Steigen die „Jakobsleiter“ hoch und machen sich auf den Weg zur Kommandobrücke, wo sie vom Kapitän sehnsüchtig erwartet werden. Der Kapitän darf zugucken. Der Lotse hat jetzt das Sagen. Er ist der Spezialist, der die Untiefen der Elbe kennt. Er ist der, der das Schiff sicher in den Hafen bringt.

Ein schönes Bild. Leicht zu übertragen auf unser Leben. Kein menschliches Leben bleibt vor Schicksalhaftem bewahrt. Situationen, in denen wir in einen Strudel geraten. Ein Strudel, der uns in die Tiefe ziehen will. Eine Sandbank, auf der das Schiff unseres Lebens strandet. Da brauchen wir jemand, der mit den Strömungen vertraut ist. Jemand, der dafür sorgt, dass wir immer eine „handbreit Wasser“ unterm Kiel haben.

In meinem Leben hat es Situationen gegeben, wo ich Jesus das Steuer überlassen habe. Wo er am Ruder war. Ich habe es nicht bereut. Es lohnt sich, im Leben wie im Sterben auf ihn zu vertrauen. Wer sich ihm gegenüber öffnet, der hat den besten Kapitän der Welt. Ein Kapitän, der selbst dann noch da ist, wenn wir unsere letzte Reise antreten. Geben wir ihm doch ein Signal. Rufen wir ihn an Bord. Unser Stolz sollte uns dabei nicht im Wege stehen.

Ihr Holger Reinhardt, Pfarrer der Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde Lüdenscheid

Samstag 17.07.2010